Deutsch · Klasse 5 · 8 Kapitel · Glossar · Prüfungsfragen
Märchen sind spannende Erzählungen mit festen Zutaten: Zauber, klare Helden und Bösewichte, magische Zahlen und ein glückliches Ende. Nach dem Durcharbeiten kennst du die typischen Merkmale, weißt, wie ein Märchen aufgebaut ist, kannst im Präteritum und mit richtiger wörtlicher Rede schreiben und ein Märchen mit einer Checkliste überarbeiten.
Ein Märchen erkennst du an ganz bestimmten Merkmalen, die in fast jedem Märchen vorkommen. Sie machen den Zauber der Geschichte aus und helfen dir, ein Märchen sicher von anderen Textsorten zu unterscheiden. Wenn du diese Merkmale kennst, kannst du sie in fremden Märchen finden und in eigene Märchen einbauen.
| Merkmal | Märchen | wahre Geschichte / Bericht |
|---|---|---|
| Ort und Zeit | unbestimmt („vor langer Zeit“) | genau benannt (Datum, Stadt) |
| Zauber | ja (Verwandlungen, Zaubersprüche) | nein |
| Figuren | oft ohne Namen, typisiert | echte Personen mit Namen |
| Gut und Böse | klar getrennt | gemischt, wie im echten Leben |
| Ende | fast immer glücklich | offen oder auch traurig |
Märchen beginnen und enden mit festen Formeln, die man Eingangsformel und Schlussformel nennt. Diese Formeln versetzen dich sofort in die Märchenwelt und zeigen an, dass jetzt eine Wundergeschichte erzählt wird. Du solltest sie auswendig kennen und in deinem eigenen Märchen verwenden.
| Eingangsformel | Schlussformel | |
|---|---|---|
| Aufgabe | führt in die Märchenwelt ein | schließt das Märchen ab |
| typisches Beispiel | „Es war einmal ein König …“ | „… und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.“ |
| Zeitangabe | unbestimmt („einmal“, „vor langer Zeit“) | Blick bis in die Gegenwart („noch heute“) |
| Stimmung | macht neugierig | bringt ein glückliches Ende |
In jedem Märchen gibt es feste Rollen für die Figuren. Wenn du diese Rollen kennst, verstehst du sofort, wer auf der guten und wer auf der bösen Seite steht. Für unsere Schreibaufgabe planen wir mit diesen drei Rollen.
| Rolle | Aufgabe in der Geschichte | typische Beispiele |
|---|---|---|
| Held / Heldin | löst die Aufgabe, kämpft für das Gute | armes Mädchen, jüngster Sohn, tapferer Prinz |
| Gegenspieler | will den Helden aufhalten, ist böse | Hexe, Drache, böse Stiefmutter, Riese |
| Helfer | hilft dem Helden, oft mit Zauber | gute Fee, sprechendes Tier, weiser Zwerg |
Der Zauber macht ein Märchen erst zum Märchen. Magische Zahlen, Zaubersprüche, sprechende Tiere und Verwandlungen sorgen dafür, dass Wunder geschehen. Setze mehrere dieser Zutaten in deinem eigenen Märchen ein, damit es richtig märchenhaft klingt.
| Zaubermittel | Was es ist | Beispiel |
|---|---|---|
| magische Zahl | eine oft wiederkehrende Zahl | „drei Aufgaben“, „sieben Berge“ |
| Zauberspruch | Spruch, der einen Zauber auslöst oder einen magischen Gegenstand anspricht | „Goldne Feder, flieg empor, öffne mir das Eisentor!“ – und das verschlossene Tor öffnet sich von selbst |
| sprechendes Tier | ein Tier, das reden und helfen kann | der treue Fuchs, der goldene Fisch |
| Verwandlung | eine Figur ändert ihre Gestalt | Frosch wird zum Prinzen |
Ein Märchen folgt fast immer demselben Aufbau. Wenn du dich an diese Reihenfolge hältst, wird deine Geschichte klar und spannend. Jeder Teil hat eine eigene Aufgabe in der Erzählung.
Die fünf Schritte eines Märchens sind:
| Aufbauteil | Frage, die er beantwortet | Beispiel |
|---|---|---|
| Ausgangslage | Wer? Wo? Wann? | „Es war einmal ein armes Mädchen …“ |
| Aufgabe / Prüfung | Was muss der Held schaffen? | Sie soll drei goldene Äpfel finden. |
| Hilfe | Wer oder was hilft? | Ein sprechender Vogel zeigt den Weg. |
| Lösung | Wie wird das Problem gelöst? | Sie findet die Äpfel und besiegt die Hexe. |
| Glückliches Ende | Wie geht es aus? | Sie wird Königin und lebt glücklich. |
Märchen werden fast immer im Präteritum (der einfachen Vergangenheit) erzählt, weil sie von etwas berichten, das lange her ist. Innerhalb der Erzählung sprechen die Figuren aber oft miteinander — dafür brauchst du die wörtliche Rede mit den richtigen Satzzeichen.
| Grundform (Infinitiv) | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| gehen | er geht | er ging |
| sein | sie ist | sie war |
| sprechen | er spricht | er sprach |
| haben | sie hat | sie hatte |
| rufen | er ruft | er rief |
So setzt du die wörtliche Rede richtig:
? oder !) steht innerhalb der Anführungszeichen: „Wer bist du?“, fragte der König.In der Klassenarbeit sollst du oft ein angefangenes Märchen weitererzählen oder aus Vorgaben ein eigenes Märchen schreiben. Dabei verwendest du die typischen Merkmale und den Aufbau aus unserem Schreibplan. Gehe Schritt für Schritt vor, dann gelingt dir eine runde Geschichte.
Schritt für Schritt zum eigenen Märchen:
Nach dem Schreiben ist die Arbeit noch nicht zu Ende. Mit einer Checkliste prüfst du, ob dein Märchen alle wichtigen Merkmale enthält, und verbesserst, was fehlt. Das nennt man überarbeiten. So wird aus einem ersten Entwurf ein gutes Märchen.
So gehst du beim Überarbeiten vor:
| Checklisten-Frage | Ja / Nein? | Verbesserung, wenn „Nein“ |
|---|---|---|
| Habe ich eine Eingangsformel? | „Es war einmal …“ ergänzen | |
| Habe ich eine Schlussformel? | „… leben sie noch heute“ ergänzen | |
| Gibt es Held, Gegenspieler und Helfer? | fehlende Figur einbauen | |
| Kommt mindestens ein Zaubermittel vor? | magische Zahl oder Zauberspruch ergänzen | |
| Ist der Aufbau vollständig? | fehlenden Aufbauteil einfügen | |
| Erzähle ich im Präteritum? | unbeabsichtigte Zeitwechsel im Erzähltext verbessern | |
| Ist die wörtliche Rede richtig gesetzt? | Doppelpunkt, Komma, Anführungszeichen prüfen | |
| Siegt das Gute am Ende? | glückliches Ende ergänzen |
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Ausgangslage | Der Anfang des Märchens, in dem Held, Ort und Zeit vorgestellt werden. |
| Begleitsatz | Der Satz bei der wörtlichen Rede, der sagt, wer spricht (z. B. „sagte die Fee“). |
| Eingangsformel | Fester Anfang eines Märchens, meist „Es war einmal …“. |
| Gegenspieler | Die böse Figur, die den Helden aufhalten will (auch Bösewicht oder Antagonist). |
| Held / Heldin | Die Hauptfigur des Märchens, die eine Aufgabe lösen muss. |
| Helfer | Eine Figur oder ein Zaubermittel, das dem Helden hilft. |
| magische Zahl | Eine oft vorkommende Zahl im Märchen, besonders Drei, Sieben und Zwölf. |
| Präteritum | Die einfache Vergangenheit, die Erzählzeit des Märchens (z. B. „sie ging“). |
| Schlussformel | Fester Schluss eines Märchens, meist „… und wenn sie nicht gestorben sind …“. |
| Überarbeiten | Ein Märchen mit einer Checkliste prüfen und verbessern. |
| Verwandlung | Wenn eine Figur im Märchen ihre Gestalt ändert (z. B. Frosch zu Prinz). |
| wörtliche Rede | Die Worte, die eine Figur genau so sagt, in Anführungszeichen gesetzt. |
| Zauberspruch | Ein kurzer, oft gereimter Spruch, der einen Zauber auslöst oder einen magischen Gegenstand anspricht. |
Ein Märchen erkennt man an mehreren typischen Merkmalen, die zusammen auftreten. Es geschehen magische und übernatürliche Dinge wie Verwandlungen oder sprechende Tiere, und Ort und Zeit bleiben unbestimmt. Gut und Böse sind klar getrennt, und am Ende siegt das Gute. Außerdem kommen magische Zahlen sowie feste Anfangs- und Schlussformeln vor.
Die Eingangsformel ist der feste Anfang eines Märchens und lautet meistens „Es war einmal …“. Sie führt dich in die unbestimmte Märchenzeit ein und macht neugierig. Die Schlussformel ist der feste Schluss und lautet oft „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Sie bringt das glückliche Ende und schließt die Geschichte ab.
Im Märchen gibt es drei wichtige Rollen: den Helden, den Gegenspieler und den Helfer. Der Held oder die Heldin steht im Mittelpunkt und muss eine Aufgabe lösen. Der Gegenspieler ist böse und will den Helden aufhalten, zum Beispiel eine Hexe. Der Helfer unterstützt den Helden, oft mit Zauberkraft, etwa eine gute Fee oder ein sprechendes Tier.
Im Märchen sind vor allem die Drei, die Sieben und die Zwölf wichtige magische Zahlen. Man nennt sie magische Zahlen, weil sie immer wieder vorkommen. Beispiele sind drei Wünsche, sieben Zwerge oder zwölf Feen. Diese Zahlen geben dem Märchen seinen besonderen Zauber.
Ein Märchen ist in fünf Schritten aufgebaut. Zuerst kommt die Ausgangslage, in der Held, Ort und Zeit vorgestellt werden. Dann folgt eine Aufgabe oder Prüfung, danach die Hilfe durch einen Helfer oder ein Zaubermittel. Anschließend kommt die Lösung, und am Schluss steht das glückliche Ende. Die Reihenfolge lautet: Ausgangslage – Aufgabe – Hilfe – Lösung – glückliches Ende.
Ein Märchen schreibt man im Präteritum, der einfachen Vergangenheit. Das liegt daran, dass ein Märchen von etwas berichtet, das vor langer Zeit geschehen ist. Beispiele sind „sie ging“, „er sprach“ oder „es war einmal“. Das Präteritum ist die Erzählzeit. In der wörtlichen Rede sprechen die Figuren passend zur Situation, zum Beispiel „Ich helfe dir“, und die Schlussformel „… dann leben sie noch heute“ bleibt so.
Die wörtliche Rede steht immer in Anführungszeichen. Wenn der Begleitsatz vorne steht, folgt ein Doppelpunkt und dann die Rede, zum Beispiel: Die Fee sagte: „Du hast drei Wünsche frei.“ Steht der Begleitsatz hinten, folgt nach der Rede ein Komma, zum Beispiel: „Ich habe Angst“, flüsterte das Kind. Das Frage- oder Ausrufezeichen steht immer vor dem schließenden Anführungszeichen.
Ein Märchen überarbeiten bedeutet, den fertigen Text mit einer Checkliste zu prüfen und zu verbessern. Man liest das Märchen durch und hakt jeden Punkt der Checkliste ab. Was fehlt, ergänzt man, zum Beispiel eine Schlussformel oder ein Zaubermittel. Zuletzt prüft man Rechtschreibung, Präteritum und die wörtliche Rede.
Märchenfiguren haben oft keine Namen, weil sie für einen bestimmten Typ stehen sollen. Sie heißen einfach „der König“, „die böse Stiefmutter“ oder „der jüngste Sohn“. So kann sich jeder die Figur selbst vorstellen, und die Geschichte wirkt zeitlos. Dadurch bleibt auch die Trennung zwischen Gut und Böse besonders klar.
Am besten beginnt man ein eigenes Märchen mit der Eingangsformel „Es war einmal …“. Danach stellt man in der Ausgangslage den Helden, den Ort und die Zeit vor. So weiß der Leser sofort, worum es geht und dass eine Märchengeschichte folgt. Wichtig ist, dabei schon im Präteritum zu schreiben.