Mathe · Klasse 9 · 8 Kapitel · Glossar · Prüfungsfragen
Ein lineares Gleichungssystem (kurz LGS) besteht aus zwei Gleichungen mit denselben zwei Variablen und . In diesem Material lernst du, was die Lösung eines solchen Systems bedeutet, wie du sie zeichnerisch und mit drei Rechenverfahren findest, wie du Sonderfälle erkennst und wie du Textaufgaben in ein LGS übersetzt. Nach dem Durcharbeiten kannst du sicher entscheiden, welches Verfahren am schnellsten zum Ziel führt.
Eine lineare Gleichung mit zwei Variablen hat die Form . Anders als bei einer Gleichung mit nur einer Variablen gibt es hier nicht eine einzelne Lösung, sondern unendlich viele Zahlenpaare , die die Gleichung erfüllen. Alle diese Paare liegen zusammen auf einer Geraden, wenn man sie in ein Koordinatensystem einträgt.
Ein lineares Gleichungssystem besteht aus zwei Geraden. Die Lösung des Systems ist das Zahlenpaar, das beide Gleichungen gleichzeitig erfüllt — grafisch ist das der Schnittpunkt der beiden Geraden. Du zeichnest also beide Geraden in dasselbe Koordinatensystem und liest die Koordinaten des Schnittpunkts ab.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
Beim Gleichsetzungsverfahren löst du beide Gleichungen nach derselben Variablen auf (meist nach ) und setzt die beiden Terme gleich. Dadurch entsteht eine Gleichung mit nur noch einer Variablen, die du lösen kannst. Dieses Verfahren ist besonders praktisch, wenn beide Gleichungen bereits nach aufgelöst sind.
Ablauf:
Beim Einsetzungsverfahren löst du eine Gleichung nach einer Variablen auf und setzt diesen Term in die andere Gleichung ein. Dieses Verfahren ist ideal, wenn eine Variable bereits allein steht oder leicht freigestellt werden kann (z. B. wenn irgendwo oder vorkommt).
Ablauf:
Beim Additionsverfahren (auch Subtraktionsverfahren) bringst du beide Gleichungen so in Form, dass sich beim Addieren eine Variable weghebt. Dazu multiplizierst du eine oder beide Gleichungen mit einer passenden Zahl, sodass die Vorfaktoren einer Variablen entgegengesetzt gleich sind. Dieses Verfahren ist am besten, wenn beide Gleichungen in der Form stehen.
Ablauf:
| Verfahren | Am besten geeignet, wenn … | Was passiert im Kern |
|---|---|---|
| Gleichsetzung | beide Gleichungen nach aufgelöst sind | zwei -Terme gleichsetzen |
| Einsetzung | eine Variable schon allein steht | Term in andere Gleichung einsetzen |
| Addition | beide Gleichungen die Form haben | Gleichungen addieren, eine Variable fällt weg |
Alle drei Rechenverfahren führen zum selben Ergebnis — sie unterscheiden sich nur im Aufwand. Du wählst das Verfahren, das bei der jeweiligen Aufgabe die wenigsten Umformungen kostet. Nach jeder Rechnung gehört die Probe dazu: Du setzt das gefundene Paar in beide Ausgangsgleichungen ein.
Nicht jedes LGS hat genau eine Lösung. Grafisch hängt das davon ab, wie die beiden Geraden zueinander liegen. Beim Rechnen erkennst du die Sonderfälle daran, dass am Ende keine Variable mehr übrig bleibt und eine reine Zahlenaussage entsteht.
| Fall | Geraden | Beim Rechnen entsteht | Lösungsmenge |
|---|---|---|---|
| genau eine Lösung | schneiden sich in einem Punkt | ein Wert für (und ) | ein Paar, z. B. |
| keine Lösung | parallel, verschieden | falsche Aussage, z. B. | (leere Menge) |
| unendlich viele Lösungen | identisch (liegen aufeinander) | wahre Aussage, z. B. | unendlich viele Paare |
Bei Textaufgaben musst du zuerst festlegen, wofür und stehen, und dann aus dem Text zwei Gleichungen bilden. Danach löst du das LGS mit dem passenden Verfahren und formulierst einen Antwortsatz. Achte darauf, dass am Ende alle Angaben des Textes erfüllt sind.
Ablauf:
| Aufgabentyp | Typische Variablen | Typische Gleichungen |
|---|---|---|
| Altersrätsel | Alter zweier Personen | Summe/Differenz heute, Beziehung in Jahren |
| Preisaufgabe | Preis zweier Waren | zwei Einkäufe mit Gesamtpreisen |
| Zahlenrätsel | zwei gesuchte Zahlen | Summe/Differenz, Vielfaches |
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Additionsverfahren | Rechenverfahren, bei dem beide Gleichungen so multipliziert und addiert werden, dass sich eine Variable weghebt. |
| Einsetzungsverfahren | Rechenverfahren, bei dem eine nach einer Variablen aufgelöste Gleichung in die andere eingesetzt wird. |
| Gleichsetzungsverfahren | Rechenverfahren, bei dem beide Gleichungen nach derselben Variablen aufgelöst und gleichgesetzt werden. |
| Lineare Gleichung mit zwei Variablen | Gleichung der Form , deren Lösungen auf einer Geraden liegen. |
| Lineares Gleichungssystem (LGS) | Zwei (oder mehr) lineare Gleichungen mit denselben Variablen, die gemeinsam gelten sollen. |
| Lösungspaar | Zahlenpaar , das eine Gleichung bzw. ein System erfüllt. |
| Parallele Geraden | Geraden gleicher Steigung mit verschiedenem y-Achsenabschnitt; das LGS hat keine Lösung. |
| Probe | Einsetzen der gefundenen Lösung in beide Ausgangsgleichungen zur Kontrolle. |
| Schnittpunkt | Gemeinsamer Punkt zweier Geraden; grafische Lösung des LGS. |
| Steigung | Zahl in , die angibt, wie stark die Gerade steigt oder fällt. |
| y-Achsenabschnitt | Zahl in ; der y-Wert, bei dem die Gerade die y-Achse schneidet. |
Die Lösung eines LGS ist das Zahlenpaar , das beide Gleichungen gleichzeitig erfüllt. Grafisch ist das der Schnittpunkt der beiden Geraden. Setzt man das Paar in beide Ausgangsgleichungen ein, müssen zwei wahre Aussagen entstehen. Ein Paar, das nur eine der beiden Gleichungen erfüllt, ist keine Lösung des Systems.
Zuerst löst du beide Gleichungen nach auf und bringst sie in die Form . Dann zeichnest du beide Geraden über ihren y-Achsenabschnitt und ihre Steigung in dasselbe Koordinatensystem. Die Koordinaten des Schnittpunkts liest du ab und schreibst sie als Lösungspaar. Zum Schluss machst du die Probe durch Einsetzen in beide Gleichungen.
Steht eine Variable bereits allein (z. B. ), nimmst du meist das Einsetzungsverfahren. Sind beide Gleichungen nach aufgelöst, ist das Gleichsetzungsverfahren am schnellsten. Stehen beide in der Form , ist das Additionsverfahren meist am einfachsten. Die Wahl ist aber nur eine Empfehlung — jedes System lässt sich mit jedem Verfahren lösen.
Beim Gleichsetzungsverfahren löst du beide Gleichungen nach derselben Variablen auf und setzt die beiden Terme gleich. Dadurch entsteht eine Gleichung mit nur einer Variablen, die du lösen kannst. Anschließend setzt du das Ergebnis in eine der aufgelösten Gleichungen ein, um die zweite Variable zu erhalten. Zum Schluss folgt die Probe.
Wenn du einen ganzen Term wie in eine andere Gleichung einsetzt, setzt du ihn am besten zunächst in Klammern, damit er als Einheit behandelt wird. Steht ein Plus davor, darfst du die Klammer weglassen: . Steht ein Minus davor, musst du beim Auflösen beide Vorzeichen ändern: . Die Klammer sorgt dafür, dass jeder Summand richtig multipliziert oder abgezogen wird. Deshalb ist das Klammersetzen hier ein häufiger Prüfungsschwerpunkt.
Beim Rechnen fällt die Variable weg und es entsteht eine falsche Aussage wie . Grafisch bedeutet das, dass die beiden Geraden parallel sind, also gleiche Steigung, aber verschiedene y-Achsenabschnitte haben. Die Lösungsmenge ist dann die leere Menge . Es gibt also kein Paar, das beide Gleichungen zugleich erfüllt.
Beim Rechnen fällt die Variable weg und es entsteht eine wahre Aussage wie . Das bedeutet, dass beide Gleichungen dieselbe Gerade beschreiben, sie liegen also aufeinander. Jeder Punkt dieser Geraden ist eine Lösung, deshalb gibt es unendlich viele Lösungspaare. Beide Gleichungen enthalten in Wahrheit dieselbe Information.
Eine einzelne lineare Gleichung mit zwei Variablen hat unendlich viele Lösungen, die alle auf einer Geraden liegen. Um genau ein Paar festzulegen, braucht man eine zweite, unabhängige Gleichung. Erst der Schnittpunkt beider Geraden legt eine eindeutige Lösung fest. Deshalb braucht man bei zwei Unbekannten zwei unabhängige Gleichungen.
Du setzt das gefundene Zahlenpaar in beide Ausgangsgleichungen ein, nicht in die umgeformten. In beiden Fällen muss auf der linken und rechten Seite dieselbe Zahl herauskommen. Nur wenn beide Aussagen wahr sind, ist die Lösung bestätigt. Stimmt nur eine Gleichung, hast du dich irgendwo verrechnet.
Zuerst legst du fest, wofür und stehen, und schreibst das als Wort auf. Dann übersetzt du jede Information des Textes in eine eigene Gleichung, sodass du zwei Gleichungen erhältst. Diese löst du mit dem passenden Verfahren. Zum Schluss prüfst du das Ergebnis am Text und schreibst einen vollständigen Antwortsatz.
Haben die beiden Geraden verschiedene Steigungen, schneiden sie sich in genau einem Punkt, das LGS hat also genau eine Lösung. Bei gleicher Steigung sind sie entweder parallel oder identisch. Entscheidend ist dann der y-Achsenabschnitt: gleich bedeutet identische Geraden (unendlich viele Lösungen), verschieden bedeutet parallele Geraden (keine Lösung). So kannst du die Anzahl der Lösungen schon an und ablesen.
Nein, alle drei Verfahren liefern bei richtiger Rechnung dasselbe Ergebnis. Sie unterscheiden sich nur im Aufwand, nicht im Resultat. Welches Verfahren am wenigsten Umformungen kostet, hängt von der Form der Gleichungen ab. Deshalb wählst du das Verfahren nach der Aufgabe, nicht nach persönlicher Vorliebe.