Mathe · Klasse 9 · 8 Kapitel · Glossar · Prüfungsfragen
Quadratische Funktionen beschreiben alles, was sich als Parabel darstellen lässt — von der Flugbahn eines Balls bis zum Bogen einer Brücke. Nach dem Durcharbeiten dieses Materials kennst du die Normalparabel, kannst Parabeln verschieben, strecken und spiegeln, den Scheitelpunkt bestimmen, Nullstellen berechnen, zwischen den beiden Formen umrechnen, Graphen zeichnen und ablesen sowie echte Anwendungsaufgaben lösen.
Die einfachste quadratische Funktion ist . Ihr Graph heißt Normalparabel. Sie entsteht, wenn du für viele x-Werte den Funktionswert berechnest und die Punkte verbindest. Die Normalparabel ist die Grundform, aus der alle anderen Parabeln durch Verschieben, Strecken und Spiegeln hervorgehen.
Verschiebst du die Normalparabel, ändert sich nur die Lage des Scheitels, nicht die Form. Diese verschobene Parabel beschreibt man mit der Scheitelpunktform . Der große Vorteil: Du liest den Scheitel direkt ab, nämlich .
Achte auf das Vorzeichen: In der Klammer steht , deshalb wird die Parabel bei um 3 nach rechts verschoben (nicht nach links).
| Gleichung | Verschiebung | Scheitel |
|---|---|---|
| um nach oben (bzw. unten bei ) | ||
| um nach rechts (bzw. links bei ) | ||
| um nach rechts und nach oben |
Der Faktor vor dem Quadrat entscheidet über Form und Öffnungsrichtung der Parabel: . Er sagt, wie „schmal“ oder „breit“ die Parabel ist und ob sie nach oben oder unten geöffnet ist.
| Wert von | Wirkung |
|---|---|
| Parabel wird schmaler (gestreckt) | |
| Parabel wird breiter (gestaucht) | |
| Parabel ist nach unten geöffnet (gespiegelt an der x-Achse) | |
| Normalparabel |
Die allgemeine Form (auch Normalform) lautet . Sie ist praktisch zum Rechnen, aber der Scheitel ist nicht ablesbar. Um ihn zu finden, formst du mit der quadratischen Ergänzung in die Scheitelpunktform um. Dabei ergänzt du — wenn vor eine steht — den Term zu einem vollständigen Binom.
Der y-Achsenabschnitt ist übrigens direkt ablesbar: bei ist .
| Form | Gleichung | Was liest man ab? |
|---|---|---|
| Allgemeine Form | y-Achsenabschnitt | |
| Scheitelpunktform | Scheitel |
Nullstellen sind die x-Werte, an denen die Parabel die x-Achse schneidet — dort gilt . Je nach Bauart der Gleichung wählst du das schnellste Verfahren. Eine Parabel kann zwei, eine oder keine Nullstelle haben.
| Verfahren | Wann anwenden? | Beispiel |
|---|---|---|
| Wurzelziehen | wenn kein einzelnes vorkommt | |
| Faktorisieren (ausklammern) | wenn kein absolutes Glied da ist | |
| pq-Formel | für vollständige Gleichungen | siehe unten |
Die pq-Formel löst jede Gleichung der Form :
Der Ausdruck unter der Wurzel heißt Diskriminante . Er verrät die Anzahl der Nullstellen:
| Diskriminante | Anzahl Nullstellen |
|---|---|
| zwei Nullstellen | |
| eine Nullstelle (Scheitel auf x-Achse) | |
| keine Nullstelle |
Beide Formen beschreiben dieselbe Parabel — du musst nur je nach Aufgabe hin und her wechseln können. Von der Scheitelpunktform zur allgemeinen Form kommst du durch Ausmultiplizieren, in die Gegenrichtung durch quadratische Ergänzung (Abschnitt 4).
| Richtung | Verfahren | Werkzeug |
|---|---|---|
| Scheitelpunktform → allgemeine Form | ausmultiplizieren | binomische Formel |
| allgemeine Form → Scheitelpunktform | quadratische Ergänzung | bei : ergänzen; sonst zuerst ausklammern |
Zum Zeichnen einer Parabel gehst du am besten von der Scheitelpunktform aus: Scheitel eintragen, dann mit einer Wertetabelle einige Punkte links und rechts berechnen und die Symmetrie ausnutzen. Umgekehrt kannst du aus einem Graphen die Funktionsgleichung ablesen, wenn du Scheitel und einen weiteren Punkt kennst.
Zeichnen — Schritt für Schritt:
Ablesen — Schritt für Schritt:
In Anwendungsaufgaben steckt hinter der Parabel eine echte Situation. Meist fragt man nach dem Scheitel (höchster/tiefster Punkt, größte Fläche), nach Nullstellen (Auftreffpunkt, Spannweite) oder nach einem bestimmten Funktionswert. Der Schlüssel ist, die Frage in „Scheitel gesucht?“ oder „Nullstelle gesucht?“ zu übersetzen.
| Situation | Parabel öffnet | Gesuchte Größe | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| Wurfbahn eines Balls | nach unten | größte Höhe | Scheitel |
| Wurfweite / Aufprall | nach unten | wo Höhe = 0 | Nullstellen |
| Brückenbogen | nach unten | Höhe / Spannweite | Scheitel / Nullstellen |
| größte Rechteckfläche | nach unten | maximaler Flächeninhalt | Scheitel |
Bei der größten Fläche stellst du zuerst die Flächenformel als quadratische Funktion auf. Beispiel: Ein rechteckiger Zaun mit m Draht, eine Seite ist , die andere .
x-Achse in 2er-Schritten, y-Achse in 10er-Schritten
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Achsensymmetrie | Eigenschaft der Parabel: die linke und rechte Hälfte sind spiegelgleich zur senkrechten Achse durch den Scheitel. |
| Allgemeine Form | Darstellung ; praktisch zum Rechnen, y-Achsenabschnitt direkt ablesbar. |
| Diskriminante | Der Ausdruck unter der Wurzel; bestimmt die Anzahl der Nullstellen. |
| Faktor a | Zahl vor ; bestimmt Öffnungsrichtung und Breite der Parabel. |
| Faktorisieren | Umformen einer Gleichung in ein Produkt (Ausklammern), um Nullstellen abzulesen. |
| Nullstelle | x-Wert, an dem die Parabel die x-Achse schneidet (). |
| Normalparabel | Graph von mit Scheitel im Ursprung. |
| Öffnungsrichtung | Nach oben bei , nach unten bei . |
| Parabel | Graph einer quadratischen Funktion. |
| pq-Formel | Lösungsformel für . |
| Quadratische Ergänzung | Verfahren, das die allgemeine Form durch Ergänzen von in die Scheitelpunktform bringt — bei ; sonst wird zuerst ausgeklammert. |
| Scheitelpunkt | Höchster oder tiefster Punkt der Parabel. |
| Scheitelpunktform | Darstellung ; Scheitel direkt ablesbar. |
| y-Achsenabschnitt | Schnittpunkt mit der y-Achse, Wert (bei ). |
Die Normalparabel ist der Graph von . Sie ist nach oben geöffnet, achsensymmetrisch zur y-Achse und hat ihren Scheitelpunkt im Ursprung . Für jeden x-Wert und seinen Gegenwert ergibt sich derselbe Funktionswert, weil gilt. Charakteristische Punkte sind neben dem Scheitel und sowie deren Spiegelungen.
In der Scheitelpunktform liest man den Scheitel direkt als ab. Wichtig ist das Vorzeichen: In der Klammer steht , deshalb bedeutet eine Verschiebung um nach rechts. Der Summand verschiebt die Parabel um nach oben bzw. bei negativem nach unten.
Der Faktor bestimmt Öffnung und Breite der Parabel. Ist , öffnet sie nach oben, ist , öffnet sie nach unten. Ein Betrag macht die Parabel schmaler (Streckung), ein Betrag macht sie breiter (Stauchung). Bei erhält man die Normalparabel.
Aus der allgemeinen Form bestimmt man den Scheitel durch quadratische Ergänzung: Bei ergänzt man und bildet ein Binom; steht vor ein anderer Faktor, klammert man ihn zuerst aus und ergänzt innerhalb der Klammer. Alternativ berechnet man die x-Koordinate mit und setzt sie in die Funktion ein. Zum Beispiel liefert nach der Ergänzung , also .
Man wählt das Verfahren nach der Bauart der Gleichung. Wurzelziehen nutzt man, wenn kein einzelnes vorkommt, etwa bei . Faktorisieren (Ausklammern) nutzt man, wenn kein absolutes Glied vorhanden ist, etwa bei . Die pq-Formel wendet man auf vollständige Gleichungen der Form an.
Die pq-Formel lautet und löst Gleichungen der Form . Der Term unter der Wurzel ist die Diskriminante . Ist , gibt es zwei Nullstellen, bei genau eine und bei keine. Vor dem Einsetzen muss der Faktor vor gleich sein.
Man rechnet durch Ausmultiplizieren um. Dazu wendet man auf die binomische Formel an und fasst anschließend alles zusammen. Aus wird so . Zur Kontrolle prüft man, ob der y-Achsenabschnitt in beiden Formen gleich ist.
Zuerst liest man den Scheitel ab und trägt und in die Scheitelpunktform ein. Dann wählt man einen weiteren gut ablesbaren Punkt und setzt ihn ein, um den Faktor zu bestimmen. Zum Schluss kontrolliert man mit einem zweiten Punkt, ob die Gleichung stimmt.
Man übersetzt die Frage. Wird nach der größten Höhe, der größten Fläche oder dem tiefsten Punkt gefragt, sucht man den Scheitel. Wird nach dem Auftreffpunkt, der Wurfweite oder der Spannweite gefragt, sucht man die Nullstellen, denn dort ist der Funktionswert null.
Bei öffnet sich die Parabel nach unten, sodass alle Punkte unterhalb des Scheitels liegen. Deshalb ist der Scheitel der höchste Punkt und stellt ein Maximum dar. Genau darum beschreibt eine nach unten geöffnete Parabel Wurfbahnen und Brückenbögen mit einem höchsten Punkt.
Man startet mit dem Scheitel aus der Scheitelpunktform und trägt ihn ein. Dann berechnet man mit einer Wertetabelle einige Punkte rechts vom Scheitel und spiegelt sie wegen der Achsensymmetrie nach links. Zum Schluss verbindet man alle Punkte zu einer glatten Kurve, wobei die Breite über den Faktor bestimmt ist.
Beide Formen beschreiben dieselbe Parabel, betonen aber unterschiedliche Informationen. In der Scheitelpunktform liest man den Scheitel direkt ab, in der allgemeinen Form den y-Achsenabschnitt . Mit quadratischer Ergänzung wechselt man in die Scheitelpunktform, mit Ausmultiplizieren in die allgemeine Form.